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Euphemia Dorer
Wer war sie? Was hat sie gemacht? Wie prägte sie die Stadt Freiburg?
Die Legende um die hl. Ursula und die 11.000 Jungfrauen
Nach der Legende war Ursula die Tochter des christlichen britannischen Königs, welche mit dem Sohn des Königs von Anglia verheiratet werden sollte, der Heide war. Ihr Vater fürchtete sich um das Wohl seiner Tochter in der Hand des vermeintlichen Götzenanbeters, doch sie hatte eine göttliche Eingebung und drängte ihren Vater, der Verlobung zuzustimmen. Mit folgenden Bedingungen, dass sie aus beiden Königreichen gemeinsam zehn junge Frauen als Unterstützung plus eintausend weitere Mädchen pro Person erhalte. Zudem Ruderboote und eine Frist von drei Jahren bekäme, in der sie sich dem christlichen Glauben widmen und ihren zukünftigen Mann von diesem überzeugen wollte. Diese Bedingungen wurden ihr gewährt und ihr Vater sandte ihr zudem noch eine Schar junger Männer zu ihrem Schutz.
So zogen Ursula und ihre Begleitung nach Rom und wurden dort von Papst Cyriacus empfangen und, wenn sie noch nicht getauft waren, getauft. Der Papst entschied sich mit ihnen zu reisen und gemeinsam mit ihr die Palme der Märtyrer zu erlangen.
Jedoch gab es damals im römischen Kriegsvolk auch zwei Führer, Maximus und Africanus, die römische Götter anbeteten. Sie befürchteten, die nahende christliche Schar um Ursula würde das Christentum weiterverbreiten. Deshalb spähten sie den Weg Ursulas aus und befahlen ihrem Verwandten Julius, dem Führer des Hunnenvolks, die Gruppe bei Köln zu töten.
Zur gleichen Zeit erschien Ethereus, dem Verlobten der Ursula, ein Engel. Dieser wies ihn an, seine Mutter taufen zu lassen und seiner Verlobten nach Köln entgegen zu fahren, um dort gemeinsam mit ihr die Palme des Martyriums zu gewinnen. So geschah es und er reiste nach Köln.
Als allerdings Ursula und ihr Gefolge nach Köln kamen, fanden sie die Stadt belagert von Hunnen vor. Die Hunnen töteten, wie ihnen befohlen, alle jungen Frauen, waren aber so von Ursulas Schönheit bezaubert, dass sie sie verschonten. Der Hunnenfürst hatte Mitleid mit ihr und bat sie, seine Frau zu werden, was sie jedoch entschieden ablehnte. Von dieser Absage zutiefst gekränkt, spannte er seinen Bogen und erschoss sie.
So vollendete er das Martyrium der elftausend jungen Frauen.
Die zwei Ursulinenorden
Erst einmal ist es wichtig zu wissen, dass es zwei Frauenorden gibt, die unter dem Namen Ursulinenorden bekannt sind und sich der hl. Ursula verschrieben haben. Beide Orden könnte man als ein weibliches Pendant zu den Jesuiten ansehen und beruhen auf ähnlichen Grundsätzen. Sie haben sich beide vor allem der Bildung von Mädchen in eigenen Klosterschulen, sowie dem Leben in Enthaltsamkeit im Dienste Gottes verschrieben. Auch in ihrem Habit, dem Ordensgewand, ähnelten sich die Orden. Beide trugen eine schwarze Witwentracht als Zeichen des schlichten Lebens für Gott oder als Symbol der größeren Handlungsfreiheiten, die Witwen damals im Vergleich zu ledigen oder verheirateten Frauen in der Gesellschaft hatten.
Trotz der Gemeinsamkeiten sind sie jeweils verschiedene Gemeinschaften und können nicht als eine gesehen werden.
1535 gründete die einfache Franziskanerin Angela Merici die „Compagnia di Sant´Orsola“ in Brescia (Italien). Im Vordergrund der Vereinigung der hl. Ursula standen hauptsächlich seelsorgerische Arbeiten und die religiöse Unterweisung von u.a. Schülerinnen, nicht etwa die Gemeinschaft. Erst gegen Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelte sich der vorher recht freie Orden ohne Klausur zu einem monastischen Orden. Vorher legten die Nonnen nur ein einfaches Gelübde der Ehelosigkeit, der Armut und des Gehorsams ab und lebten sonst aber nicht hinter Klostermauern. Nach der Änderung wurde das einst einfache Gelübde zu einem feierlichen, mit Klausur und das Leben der Schwestern spielte sich in der Abgeschiedenheit des Klosters ab. Von Italien aus breitete sich der Orden nach Europa aus. Heute gibt es verschiedene Zweige der Vereinigung v.a. in Europa.
1606 gründete Anne de Xianctonge in Dôle (Burgund) einen Orden, der als die Gesellschaft der hl. Ursula von Anne de Xianctonge oder die Gesellschaft der hl. Ursula von Dôle bekannt ist. Hier leben die Nonnen ohne Klausur als weibliche Lehrkongregation in oder bei ihren Klosterschulen und möchten Mädchen die Freude am Lernen ohne körperliche Züchtigungen lehren. Die Ursulinen von Dôle breiteten sich hauptsächlich über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland aus, heute sind sie auf allen Kontinenten vertreten. Die Ursulinen in Freiburg (im Breisgau) gehören zur Gesellschaft der hl. Ursula von Dôle.
Die Ursulinen in Freiburg
Schon ab der Mitte des 17. Jahrhunderts ersuchten Schwestern des Klosters der Gemeinschaft der hl. Ursula von Dôle aus Luzern beim Stadtrat Freiburgs um die Erlaubnis, in der Stadt ein weiteres Kloster zu bauen. Allerdings wurde ihnen diese lange verwehrt, da die Stadt auch ohne einen weiteren Orden schon prozentual zu viele Ordensleute in der Bevölkerung hatte. Außerdem befürchteten die Stadträte eine weitere Belastung der Bürger durch eine zusätzliche spendensammelnde Gemeinschaft innerhalb der Stadt. Trotzdem gelang es, den Stadtrat von der Notwenigkeit des Ursulinenordens als Bildungsanstalt für die Freiburger Mädchen zu überzeugen. Daraufhin luden sie am 5. August 1696 vier Ursulinen in die Stadt ein und bewilligten im selben Jahr den Bau von einem Kloster mit Schule. Dadurch erhofften sich die damals zu Frankreich gehörenden Freiburger eine gute Bildung ihrer Töchter – vor allem in Französisch, damit diese ihren eventuell französischen Ehemännern in Zukunft behilflich sein könnten. Mit der Rückkehr Freiburgs zum habsburgerischen Vorderösterreich schwand jedoch das Interesse am Französischen.
Nach ihrer Ankunft lebten und unterrichteten die Ursulinen in Ermangelung eines eigenen Klostergebäudes in Privathäusern. Diesen Zustand änderte die um 1699 nach Freiburg gekommene Lehrschwester Euphemia Dorer, nachdem sie 1706 zur Oberin gewählt wurde. Voller Hoffnung in Gott begann sie 1706 den Bau des bis heute in der Rathausgasse bestehenden Ursulinenklosters, welches im Volksmund schon bald, angelehnt an die schwarze Witwentracht der Ursulinen, „Schwarzes Kloster“ genannt wurde. Nach dessen Fertigstellung 1710 wurde es zur Örtlichkeit des Klosterlebens und der Mädchenbildung, womit Freiburg nun eine zweite Klosterschule für Mädchen neben der der Dominikanerinnen erhielt.
Im Laufe des Bauprozesse löste sich das Freiburger Ursulinenkonvent vom Mutterkloster in Luzern. Damit benötigten sie auch neue Möglichkeiten der Finanzierung ihres Lebens und des neuen Klosters. Geld verdienten die Ursulinen durch Schul- und Internatsgelder, Spenden und den Verkauf von Handarbeiten. Außerdem zahlte jedes neue Mitglied des Ordens eine stattliche Mitgift in die Klosterkasse, die ihr dortiges Leben finanzieren sollte.
1713 kam es in Freiburg anlässlich des Spanischen Erbfolgekriegs (1701 – 1714) zu Kriegshandlungen, die auch das in der Nähe der Stadtmauer gelegene Kloster trafen. Nonnen und Schülerinnen brachten sich in dieser Zeit häufig im Gewölbekeller des Gebäudes in Sicherheit. Über ihnen wurden vor allem das Dach und die Außenwände durch Kanonenkugeln stark beschädigt. Nach dem Ende der Belagerung musste das erst drei Jahre alte Kloster wieder kostspielig repariert und aufgebaut werden. Das erforderte von den Schwestern ein erneutes intensives Spendensammeln, während sie weiter ihre Schülerinnen unterrichteten.
Ein ähnliches Schicksal traf die Stadt und das Kloster im Jahr 1744 ein weiteres Mal. Anlässlich des Österreichischen Erbfolgekriegs (1740 – 1748), ließ der französische König Ludwig XV. Freiburg belagern. Wieder wurde das Kloster schwer von Kanonenkugeln beschädigt, die Einwohnerzahl Freiburgs sank von rund 5000 auf 1700 und die Preise stiegen drastisch. Auch in dieser Situation schaffte es die Ursulinen, das Kloster wiederaufzubauen und ihr Bestehen in Freiburg zu sichern.
Ende des 18. Jahrhundert kamen auch im konservativen katholischen Freiburg die Spätaufklärung und danach immer stärkere Säkularisierungsbestrebungen auf. Daraufhin mussten die Schule als Bildungseinrichtung und das katholische Kloster immer stärker voneinander getrennt werden, wobei das Ursulinenkloster wegen seiner wichtigen Bedeutung für die gesamte Region im Gegensatz zu anderen bestehen blieb.
Doch mit dem Badische Kulturkampf 1877 wurde auch das Kloster der Ursulinen in Freiburg mitsamt den Schulen geschlossen. Aller Klosterbesitz ging in die Hand des Staates über und die Schulen wurden zur überkonventionellen Anstalt. Das Klostergebäude mit Kirche wurde erst der Pfarrei St. Martin überschrieben und die Kirche im Anschluss von der altkatholischen Gemeinde genutzt, was bis heute der Fall ist.
Dennoch gelang es der letzten Ursulinenoberin noch vor der Klosterschließung, eine eigentlich illegale katholische höhere Mädchenschule mit Internat im ehemaligen Predigerkloster zu errichten. Aus dem so genannten „Katholischen Institut“ entstand später das heutige St. Ursula Gymnasium.
Schon bald nach der Klosterschließung eröffneten fünf Schwestern und drei Novizinnen mit Hilfe des damaligen Domkapitular Dr. Knecht einen neuen Konvent, der während der Weimarer Republik deutlich an Einfluss zurückgewann und mit einem Teil der Schule in die Wiehre umzog.
Unter den Nationalsozialisten behielten die Ursulinen zuerst im Schutz des Reichkonkordats ihren Einfluss auf die Schulen, bis diese um 1939 nach und nach geschlossen und enteignet wurden.
Nach dem Kriegsende übertrug die französische Besatzung den Ursulinen 1946 die Aufgabe die Schulen wieder zu eröffnen, woraufhin diese ihren Einfluss nach und nach abgaben und ihn der Erzdiözese übertrugen. Mit zunehmendem Wohlstand der Bevölkerung während des sogenannten Wirtschaftswunders verloren die Ursulinen wie andere Orden auch immer mehr an Bedeutung und Nachwuchs.
1965 schlossen sich die noch bestehenden Ursulinen aus Dôle, Tours, Fribourg (Schweiz), Brig, Sitten, Freiburg im Breisgau und Villingen zu einer Kongregation zusammen.
Seit 1982 nutzt die Volkshochschule die Räumlichkeiten des „Schwarzen Klosters“.
Die Geschichte des St. Ursula Gymnasiums Freiburg
Die Geschichte der Ursulinenschulen in Freiburg beginnt mit der Gründung des Konvents der Gemeinschaft der hl. Ursula in Freiburg im Oktober 1696. Zuerst unterrichteten die Luzerner Schwestern Töchter wohlhabender Familien provisorisch in Privathäusern, bis 1710 das Kloster mit Kirche und Schulgebäude an der Ecke von Engelsstraße und (Stadt)Graben (heute Rathausgasse und Rotteckring) fertiggestellt war. Damit hatte Freiburg zwei Klosterschulen, die der Dominikaner, das „Weiße Kloster“ und die Ursulinenschule, das „Schwarze Kloster“, welche in der Umgangssprache nach der Farbe der Kleidung der Nonnen benannt wurde. Der anfängliche Unterricht der Mädchen bestand vor allem aus geistlicher und ästhetischer Bildung sowie in den Elementarfächern nach religiösen Grundsätzen, was neben Schreiben, Lesen und Rechnen auch Französisch und Handarbeiten, sowie Religion und Sittlichkeit nach den Vorstellungen des Barocks beinhaltete. Der Unterricht war geprägt von den damaligen Werten für christliche junge Frauen und hatte Disziplin, Gehorsam, Demut, Jungfräulichkeit und sittliche Reinheit als grundlegende Prinzipien. Mit der katholischen Spätaufklärung wuchs die Zahl der Schülerinnen an der Klosterschule, was die neue Schulordnung Maria Teresias von 1774 nur noch verstärkte. Lehrschwestern wurden von nun an für ihre Arbeit ausgebildet und der Lehrplan erweitert. Nach Einführung der Allgemeinen Schulpflicht 1803 war die Schule deutlich überbelegt. Dazu ging auch noch die Zahl der Ursulinen zurück, was dazu führte, dass nur noch drei Schwestern rund 500 Kinder unterrichteten.
Die Klosterschule der Ursulinen überstand die Säkularisierung Badens aufgrund ihrer wichtigen Rolle als Lehrinstitut in der Region, jedoch mussten Schule und Religion immer mehr voneinander getrennt werden. Unter Oberin Caroline Kaspar wird die Bildung der Schülerinnen um praktischere Aspekte wie z.B. Geographie und Naturkunde erweitert und die zuvor schlecht ausgestatte Schule in ein anderes Gebäude verlegt.
Der Badische Kulturkampf (1876/77) beendete die alleinige Einflussnahme der Ursulinen auf ihre Schule. Aufgrund des Simultangesetzes wurden konfessionelle Lehrinstitute verstaatlicht und geschlossen. Die Ursulinenschule sollte als überkonventionelle Anstalt weitergeführt werden, wogegen sich jedoch Schulleitung und Freiburgerinnen wehrten, doch trotz aller Proteste wurde die Schule staatlich.
Jedoch eröffnet die letzte Superiorin Pia Wasmer noch vor der Klosterauflösung eine private höhere Töchterschule mit Internat, das „Katholische Institut“ (K.I.). Dank einer großzügigen Spende der Freiburgerin Amalie Gramm erhielten Schule, Internat und Klostergemeinschaft ein Anwesen und Gelände in der Eisenbahnstraße. 1896 wird die Schule, die zuvor keine staatliche Erlaubnis hatte, zur „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (GmbH) und schloss Verträge mit der Stadt. Die Trägerschaft der Schule wird 1923 wieder den Ursulinen überschrieben.
1928 wurde das K.I. zur Vollanstalt mit Abiturzulassung, was zum ersten dort abgelegten Abitur 1932 führte. Während dieser Zeit zogen Internat und Kloster in die Villa Risler in die Hildastraße, wo später die beruflichen Schulen gegründet werden.
Während dem Nationalsozialismus sind die Ursulaschulen als nichtstaatliche und kirchliche Schulen dem Regime zu unabhängig und nicht ideologiegetreu, sodass sie Schritt für Schritt eingeschränkt wurden. Es wurden Zuschüsse gestrichen, höhere Steuern erlassen, Kindern von Beamten der Schulbesuch verboten und ab 1939 nach und nach die einzelnen Schulen, begonnen mit der Volksschule, geschlossen. Spätesten ab dem Bombenangriff auf Freiburg am 27. November 1944, bei dem die Stadt stark beschädigt wurde, konnte das zuvor enteignete Institut keinen regulären Unterrichtsbetrieb mehr aufnehmen.
1945 kam das K.I. wieder in den Besitz des Ursulinenordens, welcher ein Jahr später den Unterricht trotz desolatem Gebäudezustand wieder aufnahm.
Im Jahr 1953 wird das „Katholische Institut“ zum „St. Ursula Gymnasium“ und erhält wieder Abiturberechtigung. Bald darauf übergibt der schrumpfende Ursulinenorden die Trägerschaft des Gymnasiums an das Domkapitel. Ab 1989 ist die Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg der Träger des St. Ursula Gymnasiums.
Heute ist das St. Ursula Gymnasium mit über 1100 Schülerinnen das größte Gymnasium in Freiburg.
Die Entwicklung der Mädchenbildung
Wie es manchen vielleicht bewusst ist, gab es deutliche Unterschiede in der (Schul-) Bildung von Mädchen und Jungen im Laufe der Geschichte. Mädchen erhielten in der Regel eine viel beschränktere Ausbildung als Jungen und wurden hauptsächlich zu Hause für ihre späteren Aufgaben als Hausfrauen und Mütter unterrichtet. Eine weitere Allgemeinbildung war für sie oft nicht vorgesehen.
Im Mittelalter wurden Mädchen klassisch von ihren Müttern oder weiblichen Verwandten in Alltagstätigkeiten unterwiesen, um später den Haushalt zu führen und ihrem Ehemann beizustehen. Nach und nach kam die Idee auf, Mädchen der wohlhabenden Oberschicht in einfachem Lesen, Schreiben und Rechnen zu unterrichten, damit sie ihren späteren Ehemännern im Beruf helfen konnten. Allerdings gab es bis zum 16. Jahrhundert, abgesehen von Privat- und Pfarrschulen, keinen Schulunterricht für Mädchen. Beide Schularten waren sehr teuer und für das normale Volk eigentlich nicht erschwinglich. Eine weitere Möglichkeit zur Bildung war der Eintritt in ein Kloster, in welchem die sog. „septem artes liberales“ (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Geometrie, Arithmetik und Astronomie) gelehrt wurden.
Mit der Reformation wuchs die Bedeutung der Bildung für beide Geschlechter, da von nun an jeder die Bibel lesen können sollte. Daraufhin entstanden in reformierten Fürstentümern Mädchenschulen, in katholischen Regionen änderte sich nicht viel.
Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts bildeten sich im Humanismus sowohl männliche als auch weibliche Schulorden, z.B. die Jesuiten (1534), die Ursulinen aus Brescia (1535), die Ursulinen aus Dôle (1606) und die Englischen Fräulein (1609). All diese Orden hatten ähnliche Grundsätze und boten im 17. Jahrhundert eine klösterliche Schulbildung auf religiösen Grundsätzen für die Kinder der Oberschicht. Neben den teuren Internaten der Orden entstanden an den Klosterschulen auch Volksschulen für das einfache Volk, welche häufig durch die Schulgelder und Spenden der Reichen finanziert wurden.
Im Geiste der Aufklärung bildeten sich langsam auch in katholischen Gebieten staatliche Schulen und Bildung wurde unabhängig von religiösen Gemeinschaften und Konfessionen. Allerdings herrschten auch damals noch die Meinungen vor, dass Frauen zu zart und einfühlsam wären, um höhere Bildung verarbeiten zu können. Sogar führende Aufklärer waren der Meinung, zu viel Bildung wäre schädlich für weibliche Wesen.
Ab 1803 galt in Baden die allgemeine Schulpflicht, mit der Reichsgründung 1871 wurde sie im gesamten Deutschen Reich durchgesetzt. Allerdings war es Mädchen nicht erlaubt, eine höhere Schule zu besuchen und dort das Abitur zu machen. Die „höheren Töchter- oder Elementarschulen endeten für die Mädchen im Alter von 15 bzw. 16 Jahren. In den 1860ern entstanden vermehrt Frauenbewegungen wie z.B. der Allgemeine Deutsche Frauenverein, die sich für den Zugang von Frauen zu Abitur und Studium einsetzten. Daraufhin erlaubte der fortschrittliche Großherzog von Baden Mädchen in den 1890er den Besuch von höheren Jungenschulen und ermöglichte ihnen somit Zugang zum Abitur. 1900 war die Universität in Freiburg die erste Universität des Reiches, die Studentinnen aufnahm.
Unter den Nationalsozialisten wurden Bildungsmöglichkeiten für Mädchen wieder drastisch eingeschränkt. Ihrer Ideologie nach benötigten Mädchen keine höhere Bildung, um ihren wichtigsten Auftrag als Mutter und Hüterin der Familie zu erfüllen, weshalb Abiturklassen aufgelöst und Studienplätze für Frauen verringert wurden
In der DDR wurde großen Wert auf Koedukation und gut ausgebildete Frauen gesetzt. In der BRD dagegen gab es noch bis in die Mitte der 1970er Jahre Unterschiede in Jungen- und Mädchenstundenplänen, z.B. Werkunterricht für Jungen und Handarbeiten für Mädchen.